Seit einer Woche häufen sich die Gerüchte um einen dedizierten Einstieg von Streaming-Riese Netflix ins lukrative Gaming Business. (Unter anderem berichtete Reuters)  

Bisher hatte Netflix mit Games eher auf experimenteller Ebene zu tun. Mit „Black Mirror: Bandersnatch“ etwa tastete der Streaming-Pionier sich an das ersehnte Ziel: „Interaktion mit Zuschauern“ schon mal ein Stück weit heran. Mit dem 90-Minuten-Spin-Off der besonders auch bei Gamern beliebten Kultserie rund um virtuelle Realitäten und deren Auswirkungen auf das menschliche Zusammenleben, hat Netflix die richtige Zielgruppe getroffen. In Bandersnatch konnte der Zuschauer an bestimmten Stellen unter mehreren Handlungsmöglichkeiten der Protagonisten auswählen und damit bestimmen, wie die Handlung weiter gehen sollte. Trotz einiger gemischter Kritiken war Bandersnatch für den Konzern ein voller Erfolg.

Ein Text von Michael Trier

Beliebte Themen verlängern in andere Medien

Dann gab es Games zu beliebten Serien wie Stranger Things. Hübsch verpackt im Retro-Pixel-Look, ordentlich produziert, vom Gameplay her eher wenig mitreißend. Die konnte man über den Apple App- oder Google Play Store beziehen. In die andere Richtung gab und gibt es (gemessen am Maßstab von Games-Verfilmungen) aufwändige Real- und Animations-Serien zu etablierten und heißgeliebten Spielmarken: Castlevania, Resident Evil und League of Legends (teils noch in Produktion) sind gute Beispiele. 

Ausbau von Gaming als strategischem Geschäftsfeld  

Und in diese Situation platzt jetzt die Nachricht von Reuters, dass Netflix auf der Suche nach einem „Executive to oversee its expansion into Videogames“ sei. Das passt bestens zum boomenden Spielemarkt in den letzten beiden Jahren. Außerdem ist der Wettbewerbsdruck im Streaming-Markt immens gestiegen. Mit dem Erscheinen von Apple TV+ und Disney+ neben den Dauerrivalen Amazon Prime (frisch erstarkt durch die Übernahme von MGM)  und HBO Max (Sky Atlantic) sowie zahlreichen kleineren Spezialangeboten, teilweise auch als Ableger von TV-Sendern wie Pro 7, wird es allmählich eng im einst für Netflix schier unendlichen Streaming-Universum. 

Kommt das Netflix Game-Abo?

Eine Ausweitung des Geschäftsfelds auf einen Gaming-Dienst erscheint da als der folgerichtiger Schritt – vor allem wenn man die Geschäfts- und Infrastruktur von Netflix betrachtet. Eine Gaming-Flatrate wie Apple Arcade  scheint uns angesichts des Geschäftsmodells von Netflix am wahrscheinlichsten. Allerdings ist Apples Angebot kein echter Streaming-Service: Die Spiele müssen heruntergeladen und lokal auf Smartphone, Tablet oder Mac installiert werden. Eine weitere Besonderheit von Apple Arcade: Das Angebot ist als echte Flatrate ohne jegliche weitere Ingame-Monetarisierung wie Abos oder Ingame-Shops mit 4,95 Euro sehr fair bepreist. Zumal es sorgfältig kuratierte Titel von teils hoher Qualität enthält, die auch „Mehr als Gelegenheits“-Spieler immer mal wieder zu einer Runde verführen. Allerdings gibt es Apple Arcade nur für Apple-Endgeräte und deren Marktanteil ist zumindest hierzulande eher gering. Hier bietet sich für Netflix  eine gute Chance vor allem im Casual-Markt, den etablierte Cloud Gaming-Angebote aus dem (eher) Core-Bereich wie Nvidias famoses Geforce Now, Microsofts Xbox Gamepass oder PS Plus von Sony nicht gleichermaßen perfekt erreichen, wie der Google Play Store und der Apple AppStore. 

Für uns als Gaming-Fans bedeutet jedes zusätzliche Angebot mehr Druck in Richtung faire Preise. Für uns als Agentur und Berater ist jeder florierende Markt eine willkommenen neue Chance. In diesem doppelten Sinn sind wir in jedem Fall mächtig gespannt auf die weitere Entwicklung.

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